Evangelische Kirchengemeinde Asbach
Liebe Gemeindeglieder in Asbach, Mittelstille
und Breitenbach,
als Kind habe ich in den Tagen vor Weihnachten meinen Wunschzettel ans Christkind geschrieben, und es ist immer eine ziemlich lange Liste geworden: »Ich wünsche mir …«.
Inzwischen hat sich einiges geändert: Ich habe entdeckt, dass jetzt ich jedes Jahr einen Wunschzettel vom Christkind bekomme. Meistens finde ich ihn versteckt zwischen den Zeilen der Weihnachtsgeschichte in meiner Bibel. Es kostet zwar jedes Mal etwas Mühe und Zeit, ihn richtig zu entziffern, aber manches springt auch sofort ins Auge. Im Unterschied zu meinen Wunschzetteln heißt die Formel immer: »Ich wünsche dir«.
In diesem Jahr sieht mein Wunschzettel vom Christkind folgendermaßen aus:
»Ich freue mich, wenn du meinen Geburtstag feierst, wenn du mit anderen zusammen singst und musizierst, wenn ihr euch gegenseitig beschenkt, wenn ihr Gottesdienst feiert und wenn für ein paar Stunden wenigstens die Waffen ruhen. Das macht mich glücklich, aber nicht wunschlos: Ich wünsche dir etwas mehr Sehnsucht. Sehnsucht nach Frieden, Verständnis und Versöhnung. Ich hoffe, dass dir die himmlische Verheißung ›und auf Erden Frieden bei den Menschen seines Wohlgefallens ‹ keine Ruhe lässt, dass du überlegst, wie gerade durch dich die Welt eine Spur menschlicher werden könnte …
Ich wünsche dir etwas mehr Wachsamkeit. Wachsamkeit für die kleinen Zeichen meiner Gegenwart. Ein Kind, eine Notunterkunft – daß können auch heute noch Zeichen dafür sein, dass ich ankommen will, dass ich unter euch leben will. Du wirst sicher weitere Zeichen entdecken. Ich wünsche dir etwas mehr Neugier. Neugier auf mein ganzes Leben, Interesse daran, was aus mir, aus dem ›holden Knaben im lockigen Haar‹ geworden ist, wie ich mir das Zusammenleben der Menschen vorgestellt habe, welche Geschichten ich erzählte, wem meine Sympathien galten … Meine Wünsche an dich sind wieder anspruchsvoll geworden, aber du wirst merken: es sind gute Wünsche.«
Dass nur ich einen solchen Wunschzettel vom Christkind bekommen habe, kann ich mir nicht vorstellen.
Vielleicht schauen Sie in diesen Tagen auch mal in Ihrer Bibel nach. Lassen Sie Sich überraschen, was Sie alles zwischen den Zeilen der Weihnachtsgeschichte entdecken …(Lukas 2)
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, auch im Namen des Kirchenvorstandes, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gnadenvolles und friedvolles neues Jahr 2011,
und grüße Sie mit der Jahreslosung:
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12,21)
Ihr Pfarrer Heinrich E. Wepler